Mit Hermann Schulz nach Tansania

15.03.2016

In dieser Woche erscheint Hermann Schulz` neuestes Kinderbuch »Lady Happy und der Zauberer von Ukerewe« mit Bildern von Barbara Yelin. Es ist eine Geschichte über Freundschaft, ein Detektivroman – aber auch eine Liebeserklärung an Tansania. Dort liegt mitten im Victoriasee die Insel Ukerewe, die Hermann Schulz als Schauplatz für sein Buch gewählt hat.

Herr Schulz, was macht Ukerewe für Ihre Geschichte besonders?

Für Abenteuerromane ist eine Insel nicht erst seit Robinson ein idealer Ort: Sie ist übersichtlich, abgeschlossen und ideal für Verstecke aller Art! Die Insel Ukerewe im Victoriasee hat mich seit meinem ersten Besuch im Jahr 1990 wegen ihrer Geschichte und Bewohner fasziniert. Nicht nur, weil hier der legendäre Schriftsteller Aniceti Kitereza lebte. Auch das Königshaus der Silanga ist sagenumwoben und voller wilder Geschichten. Von der deutschen Kolonialzeit zeugen noch heute Ortsnamen wie der Küstenstreifen »Neuwied«. Die Bewohner der Insel sind humorvoll und neugierig. Obwohl die meisten katholisch sind, ist der Glaube an Zauberei und übersinnliche Kräfte unter ihnen weit verbreitet.

(Illustration aus »Lady Happy« von Barbara Yelin: Der Hafen von Nansio, Ukerewe)

(Der Hafen von Nansio 2014)

Was hat Sie an der Figur Happy fasziniert – gibt es ein Vorbild?

Im Herbst 2014 gab ich in Tansania in der Hafenstadt Dar es Salaam für das Goethe-Institut einen Workshop zum Thema Kinder- und Jugendliteratur. Unter den rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gab es eine junge Dame, die von Ukerewe stammte und Bücher schreiben und verlegen wollte. Sie war eine sehr beeindruckende Erscheinung.  Sie hieß zwar nicht Happy Ulisa, aber mit ihr begegnete mir einmal mehr eine der selbstbewussten Frauen Tansanias. Es wurde viel gelacht und hintersinnig gescherzt und als wir gemeinsam am Ende unserer Arbeit nach Mwanza flogen, saßen wir nebeneinander und ich nutzte die Gelegenheit, um mehr von ihrer Familie zu erfahren. In diesem Moment war mir klar, dass ich eine Hauptperson für meine Geschichte gefunden hatte!
 

(Der Hafen von Mwanza) 

Im Anschluss an Ihren Workshop in Dar el Salaam besuchten Sie Ukerewe ein weiteres Mal. Was haben Sie auf Ihrer Reise erlebt?

Bei dieser Reise begleiteten mich meine beiden Priesterfreunde Alex und Cyprian, die mir alle Türen öffneten! Beide hatten hier ihre Kindheit verbracht. Hier sehen wir die beiden beim Frühstück im Hotel »La Bima«.

Mit ihnen besuchte ich unter anderem die Kirche von Kagunguli und fand eine geheimnisvolle deutsche Soldatenjacke auf dem Boden einer Truhe in der Sakristei. An den Abenden erzählten sie mir über die Zeit, in der sie auf Ukerewe aufwuchsen. Eine unglaubliche Quelle seltsamer Geschichten. 

(Straßenszene von Nansio/Ukerewe)

Hatte sich die Insel seit Ihrem ersten Besuch verändert?

Es hat sich nicht nur hier, sondern insgesamt in Tansania seit meinem ersten Besuch viel verändert. Liefen die meisten Männer damals noch in zerlumpten Kleidern herum, stellte ich fest, dass im Land zwar kein Reichtum, aber doch ein bescheidener Wohlstand eingekehrt war: Es gab nun mehr ausgebaute Straßen, mehr Autos und in fast allen Häusern elektrisches Licht.
Das Schloss von Bukindo war renoviert worden, das Dach erneuert, die Wände frisch gestrichen. Der »regierende« König lebt jedoch die meiste Zeit in Wien und arbeitet in einer internationalen Organisation. Nur in den Ferien bezieht er mit seiner Familie die obere Etage des Schlosses, das an ein italienisches Landhaus erinnert.

(Das Schloss von Bukindo)

Eine Attraktion sind die alten Königstrommeln, die im Schloss in einem eigenen Raum für Besucher aus aller Welt ausgestellt werden.

(Königstrommeln)

Die besondere, beinahe magische Atmosphäre auf der Insel hat sich allerdings zu meiner Freude kaum verändert.

Die Inspiration für die Geschichte von »Lady Happy und der Zauberer von Ukerewe« hat mir Afrika, hat mir diese Insel geschenkt. Vielleicht erscheint sie eines Tages, wie schon »Die schlaue Mama Sambona«  (die 1990 die Königin der Insel war), in Suahili, damit »Lady Happy« und meine vielen Freunde im Land sie auch lesen können.