Jutta Bauer und Katja Spitzer über »Das Beste von Allem«

26.08.2015

In dieser Woche erscheint mit »Das Beste von Allem« ein ungewöhnliches Illustratorenprojekt. Mit über 900 Zeichnungen von 60 Illustratoren zu 54 Themen ist das Buch nicht nur ein großer Bilderspaß für Groß und Klein, sondern bietet auch einen Überblick der aktuellen deutschsprachigen Illlustrationslandschaft.
Wir haben mit den Herausgeberinnen Jutta Bauer und Katja Spitzer über das fertige Buch und die Arbeit an dem Projekt gesprochen.    

Wann / in welcher Situation kam Ihnen die Idee zu »Das Beste von Allem«?

Jutta Bauer: Das schmorte schon länger. Ich kann es nicht auf einen Punkt bringen.

Katja Spitzer: Jutta hat mir von ihrer Idee vor 2 Jahren auf der Frankfurter Buchmesse erzählt. Das Konzept, ein Buch mit Doppelseiten voller Papas oder Kuchen von vielen unterschiedlichen Illustratoren zu machen, fand ich sofort super.

Wie kam die Zusammenarbeit zustande?

KS: Das hat mit der Stiftung Illustration zu tun. Ich unterstütze die Stiftung in der Betreuung des Blogs und inzwischen auch bei der Facebook-Seite. Jutta hatte die Idee, das Buch zugunsten der Stiftung Illustration zu machen und hat mich gefragt, ob ich Lust habe es mit ihr herauszugeben. Natürlich hatte ich große Lust, was für eine Frage!

JB: Also, ich bin sooo froh, dass ich Katja gefunden habe. Sie wurde mir von Sarah Wildeisen, die damals mit mir im Kuratorium der Stiftung Illustration war, genannt als mögliche Nachfolgerin. Ich hab sie dann gefragt, ob sie mit mir zusammen an dem Projekt arbeiten will.

Was macht die gemeinsame Arbeit aus? Wie ergänzen Sie sich?

KS: Es macht großen Spaß mit Jutta zusammenzuarbeiten, weil sie immer leidenschaftlich dabei ist. Natürlich muss man sich absprechen und ist nicht immer einer Meinung, aber die Zusammenarbeit war immer interessant!

JB: Katja ist auf eine gute Art ganz anders als ich: immer friedlich und geduldig, sorgfältig, mit gutem Blick und Geschmack... und superfleißig. Ich bin ja so schrecklich unlogisch und habe Ihr das Listen-machen aufgebrummt. Man muss sehr sorgfältig archivieren, wer was/wann/wie geschickt  oder zugesagt hat.

KS: Über 900 Bilder haben wir gesammelt und kategorisiert. Mit 60 Künstlern, mit dem Verlag, der Stiftung und der Grafikerin haben wir kommuniziert, da ist es schon gut, wenn man zu zweit ist.

Wie haben Sie die Themen ausgewählt?

KS: Wir haben uns bei mir in Berlin im Atelier getroffen und dann flogen sofort ganz viele Begriffe im Raum rum, die wir interessant fanden. Die haben wir dann aufgeschrieben. Manche Begriffe standen sofort fest. Wir wollten zum Beispiel ganz viele Schlüpfer von unterschiedlichen Illustratoren. Und natürlich waren wir neugierig, was den Illustratoren zum »Allerdöofsten« einfällt.


JB: In einer Sitzung und vielen Mails mit Katja Spitzer und Klaus Humann wurde dann gefeilscht wie auf einem Basar... Jeder hatte seine Lieblingsbegriffe.

KS: Nur wenige Begriffe sind nicht ins Buch gekommen, weil nicht genug Bilder zusammen kamen. Zum Beispiel Schlösser und Abendkleider. 

JB: Tragisch, dass wir auch einige wichtige oder schöne Sachen vergessen haben: Es wurde nach Treckern, Baggern, Fahrrädern, eben so Jungssachen, gejammert. Zu Recht. Vielleicht braucht es einen zweiten Band?

Hat die Resonanz der angeschriebenen Künstler Sie überrascht?

KS: Es war sehr schön, wie schnell ganz viele Kollegen uns rückgemeldet haben: Ich mache mit. Viele haben das Projekt mit ganz vielen tollen Bildern unterstützt. Die Kollegen waren eingeladen 5-20 Bilder zu Begriffen ihrer Wahl zu schicken. Als digitales Bild und als Original, das zugunsten der Stiftung Illustration auf der Frankfurter Buchmesse versteigert wird.

JB: Die Resonanz hat mich eher nicht überrascht, sondern begeistert und gerührt! Fast alle haben freudig und unkompliziert zugestimmt. Es gab nur einige Absagen, die meisten wegen Krankheit, Alter oder Überlastung. Nur drei, weil sie dem Konzept nicht folgen konnten: Hauptsächlich weil die Bilder einfach und freigestellt sein sollten, ohne Erzählerisches, Pointe und Hintergrund. Aber keiner hat gesagt: »Was soll denn der Blödsinn?«. Wir haben natürlich auch nur die Netten und Guten gefragt. Leider auch viele Nette und Gute nicht, wofür ich mich hier schon mal entschuldigen möchte. Aber die Illustratoren wurden ja auch wie die Sachen gemeinsam ausgehandelt. Jeder hat andere Lieblinge. 

KS: Interessant war natürlich, welche Themen am beliebtesten waren. Die Vogelseite war ganz schnell voll und auch die Katzen. Bei den Süßigkeiten und beim Obst hat es länger gedauert, sie zu füllen. Die Kategorie »Musikinstrumente« haben wir »Instrumente« genannt, weil mehrere Illustratoren statt Musikinstrumente auch Zeicheninstrumente wie einen Bleistift, Mordinstrumente wie ein Messer oder Fotoapparate geschickt haben. Das sind dann Überraschungen, die wir super fanden. Lustig fand ich aber auch, dass einige Illustratoren auf sehr ähnliche Bildideen kamen, ohne die anderen Bilder zu kennen. Ich bin gespannt, wie die Illustratoren das fertige Buch finden. Ob sie zufrieden sind, und ob das Buch so aussieht, wie sie es sich vorgestellt haben.

Haben Sie im fertigen Buch ein Lieblingsthema? Welche Doppelseite gefällt Ihnen besonders gut?

KS: Meine Lieblingsseite ist die Seite mit den Häusern. Ich mag die unterschiedlichen und sehr originellen Ideen: das rennende Haus von Franz Zauleck oder das abstrahierte von Jeanette Besmer.

JB: Tode! Katzen, Fische, Pferde, Insekten.... Kaffeekannen fanden ja leider nicht genug Liebhaber und sind jetzt nur einzeln versteckt.

 

KS: Die Sessel- und Sofa-Seite mag ich auch sehr, weil sie so gemütlich ist.

»Das Beste von Allem« erscheint am 28. August 2015. Wir danken Jutta Bauer und Katja Spitzer für das Gespräch.