»Es begann alles mit einer Skizze«

28.09.2017

Morgen erscheint Mira Bartóks »Der Wunderling« bei ALADIN. Im Interview erzählt die Amerikanerin, wie sie auf die Idee der Geschichte kam, warum die Filmrechte noch vor den Buchrechten verkauft wurden - und sie verrät auch, welche nächsten Abenteuer auf ihren kleinen einohrigen Helden warten werden.

(copyright: Doug Plavin)

Wie entstand die erste Idee zum »Wunderling«?

Wie bei vielen meiner Geschichten spielten bei der Geburt des »Wunderlings« verschiedene Faktoren eine Rolle. Die Idee begann eigentlich mit einem Bild, der schnellen Skizze eines einohrigen Hasen (der sich irgendwann in einen fuchsähnlichen Menschen verwandelte). Aber ich war zu dieser Zeit auch besessen von Charles Dickens` Werken, habe einige meiner Lieblingsbücher von ihm wieder gelesen und mich außerdem viel mit großen Erfindungen der Geschichte beschäftigt. Unbewusst spielten bei der Ideenentwicklung sicherlich auch die schrecklichen Auswirkungen der syrischen Flüchtlingskrise eine Rolle, die mich zu dieser Zeit sehr bewegt haben. Und schließlich entstehen einige meiner Geschichten auch in Teilen aus meinen Träumen, die ich immer im Nachhinein aufzeichne. »Der Wunderling« war hier keine Ausnahme.

Du hast sowohl den Text geschrieben als auch die Illustrationen zum »Wunderling« gezeichnet. Was war zuerst da? Der Text oder die Bilder?

Wie gesagt: Es begann alles mit einer Skizze. Vor Kurzem habe ich die Zeichnung in einem meiner Skizzenbücher wieder gefunden. Sie ist auf den 6. Januar 2014 datiert und bildet, wie beschrieben,  einen einohrigen Hasen ab. Unter die Zeichnung schrieb ich damals: »Der Wunderling: eine Geschichte im Stil von Dickens über eine einohrige Kreatur, geboren mit einem unglaublichen musikalischen Talent, die auf die große Suche nach seiner Bestimmung geht.« Darunter schrieb ich dann noch sinngemäß: »Aber leider hab ich dafür gar keine Zeit«. Zu dieser Zeit arbeitete ich an einem Buch für Erwachsene. Doch letztendlich haben Arthur und Trixi dafür gesorgt, dass ich dieses Projekt abschloss und damit begann, den »Wunderling» auszuarbeiten.

(Zeichnung der Autorin: Die Protagonisten Arthur und Trixi)

Musik spielt eine wichtige Rolle in deinem Buch. Hast du während des Schreibens Musik gehört und gibt es einen bestimmten »Soundtrack« zum »Wunderling«?

Normalerweise höre ich keine Musik, wenn ich schreibe, sehr wohl aber, wenn ich zeichne. Und ja, es gibt bestimmte Musikstücke, die mich in dieser Zeit inspiriert haben – eine wilde Mischung von keltischer Musik bis hin zu verschiedener Filmmusik, vor allem der an Steampunk-erinnernde Soundtrack des französischen Filmes  »Micmacs – uns gehört Paris« von Jean Pierre Jennet (Musik von Raphael Beau und Max Steiner). Meistens aber habe ich mir selbst kleine Melodien und Lieder ausgedacht, die mich beim Schreiben des Buches begleitet haben. Wer weiß, vielleicht bin ich irgendwann so leichtsinnig und spiele meine kleinen Lieder einmal jemandem vor.

Die Filmrechte an deiner Geschichte wurden noch vor den Buchrechten verkauft. Wie kam es dazu?

Meine Agentin Jen Gates hatte eigentlich ein Meeting mit CAA (Creative Artists Agency) für die Filmrechte an einem Buch eines anderen Klienten. Nach dem Treffen in Hollywood entdeckten zwei der Repräsentanten von CAA eines meiner Bilder aus dem »Wunderling« auf Jens Laptop. Sie erkundigten sich, worum es in der Geschichte geht und ob sie ein Manuskript lesen könnten. Zu dieser Zeit existierte erst ein Viertel des Buches. Sie lasen das Manuskript über Nacht und schickten es bereits am nächsten Tag an einige ihrer bekanntesten Regisseure und Produzenten. Um es kurz zu machen: Vier Tage später gab es bereits einen Bieterkrieg in Hollywood um ein unfertiges Buch, das noch nicht einmal einen Verlag gefunden hatte. Die Geschichte wurde zu dieser Zeit von verschiedenen Verlagshäusern geprüft und erst für die darauffolgende Woche war eine Auktion angesetzt. Es war einfach reines Glück, dass sich der ganze Filmzirkus bereits vor dem eigentlichen Buchdeal abspielte – und es verhalf mir zu einem beachtlichen Vorschuss.

Wird die Geschichte um den »Wunderling« weitergehen?

Natürlich! Ich habe bereits eine ganz genaue Vorstellung davon, was im nächsten Band passieren wird. Alle Helden des ersten Buches werden wieder mit dabei sein, zusätzlich bekommen einige Nebenfiguren im Band 2 eine größere Rolle. Es wird weitere Erfindungen geben – ganz zu schweigen von einem ungewöhnlichen Karneval, einem Flohzirkus, sprechenden Bäumen und einem wunderschönen und unheimlichen verlorenen Paradies. Meine Leser werden außerdem mehr über den Ursprung der Erdlinge erfahren und was es mit all den Katzen auf sich hat!  

Mira Bartóks »Der Wunderling« ist ab 29. September 2017 überall im Handel erhältlich. Weitere Einblicke in die Arbeit an dem Buch gibt es außerdem in dem sehr schönen Interview mit Mira Bartók von Walker Books, das als Video hier zu sehen ist: