Die Geschichte hinter »Stormglass«

24.02.2016

Im Sommer 2011 klingelte Andy Deemers Telefon. Er lebte zu dieser Zeit gerade in Peking, arbeitete als Redakteur für eine chinesische Zeitschrift und blickte außerdem auf eine beachtliche Laufbahn als Produzent von Fast-Food-Horrorfilmen zurück. Am Apparat war sein älterer Bruder Pete, Gründer der Produktionsfirma Game Spot in Bangalore und erzählte von einer Idee: Wie wäre es, wenn es eine Serie von Online-Games und Bücher über eine geheime Schule für Jungagenten geben würde? Und wie wäre es, wenn Andy das Projekt leiten würde?

Andy Deemer

Andy hatte noch nie in seinem Leben ein Online-Game entwickelt oder einen Roman geschrieben. Auch in Indien war er noch nie gewesen. Alles gute Argumente, dachte er sich, kündigte seinen Job bei der Zeitschrift und buchte einen Flug nach Bangalore.

Noch in Peking begann Andy gemeinsam mit seinem Bruder zu überlegen, wie eine Geschichte um die Ausbildung junger Geheimagenten am besten funktionieren könnte. Die Hauptfiguren Jake, Lizzie und Filby standen bald fest, auch viele der Bösewichte nahmen schnell Gestalt an. Für den Plot selbst bekam er Unterstützung von einem Spezialisten: Tim Pratt, Autor zahlreicher Fantasyromane in den USA, wurde für die Entwicklung des Buches mit ins Boot geholt.

Tim Pratt

Zwischen Peking, Bangalore und Berkeley, Kalifornien, über schlechte Telefonverbindungen, E-Mails und Skype, wurden neue Ideen ausgetauscht, bis schließlich ein Vorschlag von Tim die anderen beiden überzeugte: Es müsste ein rätselhaftes Bienensterben geben, das die Welt bedroht und dem die Jungagenten auf die Spur kommen sollen. Das klingt ja wie John le Carré für Jugendliche!, fanden die Brüder Deemer – die Story war »gekauft«.

Tim machte sich nun an einen ersten Romanentwurf. Währenddessen flog Andy nach Bangalore, um das Online-Game zu entwickeln. Hier wartete bereits ein Büro voller Mitarbeiter und Computer auf ihn. Mit von der Partie war außerdem ein Straßenhund ohne Namen, den alle nur »Bürohund« nannten.

Ein Teil des »Stormglass«-Teams (ohne Hund) in Bangalore

Ein Team von 20 Programmierern war seit einiger Zeit mit der Codierung des Spieles beschäftigt, und Andy stürzte sich in die Arbeit und schrieb die Handlungsabläufe und Inhalte für die einzelnen Ebenen. Ein ganzes Jahr lang arbeitete das Team daran, das Spiel zu perfektionieren. Schauspieler wurden gecastet und ein Fitnesstrainer aus Boston entwickelte eine Reihe von echten Kampfübungen für Jungagenten. 

Eine Idee für das Spiel: Ein Museum, das Licht auf die skrupellose Geschäftspraxis von Thomas Edison wirft.

Im November 2012 ging eine erste Version des Spieles online – und floppte. Trotz Anzeigenkampagnen gab es kaum Downloads. Andy beschloss, das Spiel von Grund auf neu zu überarbeiten. Das Team begann mit dem Brainstorming. Nach und nach wurden die Bürowände mit guten und schlechten Ideen, Notizen und Skizzen tapeziert.

Diesmal sollten die Nutzer die neue Version möglichst früh ausprobieren und mit ihrem Feedback dazu beitragen, dass das Spiel verbessert werden konnte. Der Plan ging auf: Ein Jahr später ging »Stormglass Version 2.0« online – und nun liebten die Nutzer es. Immer mehr positive Bewertungen wurden veröffentlicht.

Auch mit der Arbeit am Roman waren sie in der Zwischenzeit vorangekommen. Andy hatte den ersten Entwurf von Tim überarbeitet und im September 2013 wurde das Buch schließlich fertiggestellt und konnte über die Website des Spieles bestellt werden. Die Geschichte überzeugte: Das Selfpublishing-Projekt wurde von ungewöhnlich vielen Buchmagazinen breit und positiv besprochen. So wurde auch ALADIN auf den Titel aufmerksam.
Die Geschichte um drei Jungagenten, die für einen mysteriösen Auftrag einmal um den ganzen Erdball reisen, überzeugte im Verlag. Die Rechte wurden eingekauft. Für die deutsche Ausgabe wurde die Geschichte vor der Übersetzung noch einmal gekürzt und neu lektoriert. »Stormglass« war also ein weiteres Mal Gegenstand von internationalen Korrespondenzen, diesmal zwischen Bangalore, Los Angeles, London und Hamburg. Das Ergebnis: Auch das Buch erscheint nun in einer »Version 2.0«.

Ab heute ist Andy Deemers und Tim Pratts »Stormglass – Angriff der Killerbienen« im Handel erhältlich. Wir wünschen spannende Lesestunden. Für einen ersten Eindruck steht hier eine Leseprobe zum Download bereit.