5 Fragen an Ryan Gebhart

26.01.2015

In dieser Woche kommt Ryan Gebharts Debüt »Bärenschwur« in den Handel. Im Interview erzählt der Autor vom langen Prozess der ersten Idee bis zum fertigen Buch.

 

Wann und wie bist Du zum Schreiben gekommen?
In der fünften Klasse hat meine Englischlehrerin uns im Unterricht Geschichten schreiben lassen. Das war das allergrößte für mich: einfach etwas erfinden zu können – viel mehr mein Ding als Aufsätze und Erörterungen. Am Ende meines Studiums kam der Drang nach kreativem Schreiben dann wieder hoch. Ich war dabei, meinen Magister in Spanisch zu machen, ich weiß nicht, wie viele Stunden und Tage ich damit verbrachte, gut strukturiert und verständlich zu schreiben. Die strengen Regeln der akademischen Welt haben mir wirklich zugesetzt, ich dachte nur noch: Irgendwann schreib ich über den Mann im Mond!


Wie war das bei Deinem ersten Buch? Gab es Schlüsselmomente beim Schreiben?
Die Rohfassung von „Bärenschwur“ habe ich in drei Wochen heruntergeschrieben – und dann drei Jahre mit der Überarbeitung verbracht. Mir war von der ersten Seite an klar, dass ich eine einfache und doch lustige Geschichte von einem Jungen und seinem Großvater erzählen will, die auf die Jagd gehen. Da gab es viele schöne Momente und Anekdoten, aber das Ganze hatte keinen Fluchtpunkt, keinen tieferen Sinn. In einem langen und aufreibenden Prozess habe ich dann die eigentlichen Themen meiner Geschichte entdeckt und begriffen, was meine Figuren wollen, was sie brauchen und wovor sie sich fürchten. So hat der Roman, ganz unabhängig von mir als Autor, seine Seele gefunden.


Wie sieht Dein Arbeitstag aus? Wie teilst Du sich die Zeit ein?
Meine Art zu schreiben ist alles andere als effektiv, die kann ich grundsätzlich niemandem empfehlen. Erst mal muss ich gestehen, dass ich gar nicht jeden Tag schreibe. Es gibt Zeiten, da beunruhigt mich schon der Gedanke ans Schreiben so sehr, dass ich den Text, an dem ich gerade sitze, monatelang nicht anschaue. Schreiben ist mühsam und manchmal alles andere als gesund. Mitunter verliere ich mich so sehr in meinen Gedanken, dass ich menschliche Grundbedürfnisse unterdrücke oder schlicht vergesse: mein Sozialleben, Schlaf oder … ja, ich wasche mich dann auch nicht mehr. Ich arbeite also noch dran, ein ausgeglichener Autor und zugleich Mensch zu sein!


Was inspiriert Dich?
Bei einem umfänglichen Werk wie einem Roman versuche ich, ganz verschiedene Dinge zusammenzubringen, auch wenn die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. In „Bärenschwur“ ist meine eigene Erfahrung von der Arbeit auf einer Jagd-Ranch eingeflossen und eine uralte Idee von mir: wie nämlich ein Junge seinen Großvater einfach aus dem Altenheim mitnimmt. Diese beiden Ideen habe ich aufeinander losgelassen, und das Ergebnis war erstaunlich gut! Als Zugabe habe ich dann noch eine Prise Taylor Swift beigemischt.


Was kannst Du jungen Autoren empfehlen, die noch nicht veröffentlicht haben? 
Wer Geduld hat – in meinem Fall jahrelange Geduld –, eine gute Idee verfolgt, mit Kritik umgehen kann und einer Sache nicht müde wird, für den ist das traditionelle Verlagsgeschäft immer noch das Richtige. Man sollte sich auf sein Talent nur nicht zu viel einbilden! Aber selbst wenn … Macht auch nichts, in den Verlagen hat ja kaum jemand Zeit für so was wie Eitelkeit. Man hat es mit Profis zu tun, und mit denen geht man am besten höflich und respektvoll um. Nicht nur, wenn man einem Agenten oder Lektor gefallen will – es gehört sich einfach!
Im echten Leben sollte man Abenteuer nicht scheuen. Ich wäre nie auf die Idee zu „Bärenschwur“ gekommen, wenn ich das absolut zufällige Angebot, auf einer Jagd-Ranch in Wyoming zu arbeiten, nicht angenommen hätte. Das war dann im Prinzip meine Recherche, aber vor allem hat es total Spaß gemacht.

 

Ryan Gebharts »Bärenschwur« kommt heute in den Handel.

Das Interview stammt von Ryan Gebharts Agentur The Greenhouse Agency, aus dem Englischen übersetzt von Meike Herrmann.